Zur Geschichte des Hofes hat der ehemalige Zeißiger Ortschronist Johann Kasper ein kleines Heft verfasst, aus dem wichtige Teile nachfolgend in gekürzter Form dargestellt sind:

Nach überlieferten Bauunterlagen ließ die Familie Johann Holder ab dem Jahr 1882 das noch heute erhaltene Wohnhaus in Groß Zeißig auf dem Grundstück der damaligen Adresse Nr. 50 errichten. In den darauffolgenden Jahren ergänzte die Familie den Bau durch Stall- und Scheunengebäude, sodass ein geschlossener Vierseithof entstand. Die markante Klinkerfassade mit integriertem Korbbogen und weißen Fensterfaschen ist charakteristisch für die dörfliche Bauweise jener Zeit. Aus diesem Grund steht das Gebäude heute unter Denkmalschutz.

Die Hofgröße entsprach mit einer Gesamtwirtschaftsfläche von 16,38 ha einem mittleren landwirtschaftlichen Betrieb. Wie in den Dörfern üblich, waren der Anbau auf den Ackerflächen, die Viehhaltung und die Ausstattung des Hofes auf die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln ausgerichtet. Dafür war die Mitwirkung aller Familienmitglieder von früh bis spät notwendig.

Im Jahr 1906 heiratete Johann Wuschko aus Groß Zeißig die Tochter (Anna) des Hauses und übernahm den Hof. Leider verstarb Anna frühzeitig und Johann Wuschko heiratete 1917 Magdalena Wensko aus Bluno. Am 18. Dezember 1919 wurde ihnen Tochter Anna geboren. Sie heiratete 1938 den Reichsbahnangestellten Johann Petrick aus Neuwiese.

Johann Wuschko war strebsam und als Landwirt eine geachtete Persönlichkeit im Dorf. Er gehörte zu den Bauern, die als Keuler das Recht besaßen, ihr Vieh selbst zu schlachten und in Hoyerswerda zu vermarkten. Dazu errichtete er 1921 auf dem Grundstück ein kleines Schlachthaus und betätigte sich auch als Viehaufkäufer und Hausschlächter. Gleichzeitig betreute er als Vertreter der Sparkasse die Sparer und Kreditnehmer im Dorf.

Kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges erlitt die Familie zwei tragische Todesfälle. Auf der Flucht vor den herannahenden sowjetischen Einheiten geriet die Familie bei einem Gefecht im Bereich des Dorfes Biehla bei Kamenz in den Frontbereich und ihr Fluchtwagen wurde durchsucht und teilweise geplündert. Dabei wurde Johann Wuschko von russischen Soldaten getötet. Über die genauen Umstände gibt es keine gesicherten Informationen. Wenige Tage später fanden zwei Zeißiger Jugendliche Johann Petrick, den Ehemann von Tochter Anna, tot hinter dem damaligen Schießstand. Es wurde vermutet, dass er auf der Rückkehr von der Front seine Familie suchte und dabei von einer Wache der sowjetischen Kommandantur, die sich im Gasthof „Zum grünen Kranz“ befand, erschossen wurde. Vermutlich hielten die Soldaten seine Eisenbahner-Uniform für die Uniform eines SS-Angehörigen.

In den folgenden Jahren mussten Mutter Magdalena (re) und Tochter Anna den Bauernhof unter sehr schwierigen Bedingungen allein bewirtschaften.

Die Witwe Anna Petrick (li) heiratete im Februar 1948 Wilhelm Zschech aus Bluno. Die Bewirtschaftung des Hofes wurde nun leichter. Leider blieb diese Ehe kinderlos. Nach Gründung der LPG Anfang der 1960er Jahre arbeitete Anna zeitweilig in der Feldbaubrigade und ihr Ehemann im Bergbau.

Wilhelm Zschech starb am 15. März 1986 im Alter von 73 Jahren. Anna Zschech überlebte ihren Mann um neun Jahre und starb am 30. April 1995 im Alter von 76 Jahren.

In den letzten Lebensjahren war Anna Zschech hilfs- und pflegebedürftig und wurde vom Ehepaar Bacskai liebevoll gepflegt und versorgt. Nach dem Tod von Anna erbten sie den Hof. Sie hatten zuvor bereits die Scheune gekauft und zur Wohnung ausgebaut.

Im März 2000 bot Familie Bacskai den vorderen Teil des Hofes der Ortsteilverwaltung und dem Kulturverein Zeißig e.V. zum Kauf an. Sie hatten erfahren, dass der Kulturverein auf der Suche nach einer Heimstätte ist.